Wer in der Offline-Welt oder im Internet unberechtigt Verträge im Namen anderer Personen abschließt oder Bestellungen auslöst, der hat oft ein sehr leichtes Spiel. Lediglich benötigt man hierfür den Namen einer bestimmten Person z. B. aus der Familie, aus dem Freundeskreis, aus dem Bekanntenkreis oder einer fremden Person, das Geburtsdatum, eine gültige Anschrift (kann auch abweichend sein), eine gültige Bankverbindung (kann auch eine andere sein) und eine gefälschte Unterschrift (Urkundenfälschung). Das gleiche gilt auch wenn man anderen Personen Geld abnehmen möchte ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen. In diesem Artikel geht es u.a. um Warenbetrug, Urkundenfälschung usw.

Betrugsfall: Deutsche Telekom

Im Dezember 2020 wurde ein Betrugsfall beim Bonner Telekommunikationsunternehmen Deutsche Telekom bekannt, bei der eine weibliche Person aus Berlin über dessen Familienmitglied, das ebenfalls Telekom-Kunde ist, einen Festnetzvertrag abgeschlossen hatte.

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde im September 2020 ein Telekomvertrag für eine Adresse in Berlin-Kreuzberg mit einer gefälschten Unterschrift des Familienmitglieds in Form eines Anbieterwechsels abgeschlossen, der Telekom-Anschluss wurde dann tatsächlich geschaltet. Bemerkt wurde der Betrugsfall im Dezember 2020 nach dem das Familienmitglied einen Tarifwechsel am Telekomvertrag seiner eigentlichen Anschrift durchführen wollte, nachdem es Tage zuvor von der Telekom angerufen wurde und später nichts passierte, auch während eines Anrufs beim Telekom Kundenservice schlug der Tarifwechsel fehl. Das Familienmitglied erhielt daraufhin ein paar Tage später ein Ablehnungsschreiben von der Bonitätsabteilung der Telekom, ein Anruf genügte um festzustellen, dass es hier sich um eine offene Forderung der November-Rechnung 2020 für die Anschrift in Berlin-Kreuzberg handelte und nicht für die eigentliche Anschrift. Bislang kannte das Familienmitglied die Adresse überhaupt gar nicht.

Das Familienmitglied erstattete nach Feststellung des Betrugs eine Anzeige bei der Berliner Polizei gegen unbekannt. Als sich nach eigener Recherche später herausstellte wer hinter dieser Aktion steckte, wurde die Anzeige auf die Beschuldigte geändert, nachdem das Familienmitglied die Adresse dieser besagten Person aufsuchte und ihren Namen am Klingelschild entdeckte. Das Familienmitglied informierte das Betreute Wohnen, in der die Beschuldigte wohnt, diese Einrichtung gab diese Infos direkt an die Beschuldigte weiter.

Auf Anzeige folgen Nachrichten der versuchten Erpressung

Noch vor den eigentlichen Ermittlungen durch die Berliner Polizei im Zuge dieser Anzeige erhielt das Familienmitglied zur Einschüchterung diverse Nachrichten in Form der versuchten Erpressung per WhatsApp und per E-Mail, die sich sowohl gegen das Familienmitglied als gegen weitere Familienangehörige richteten. Nebenbei folgten während der laufenden Ermittlungen im Fall des unberechtigt abgeschlossenen Telekomvertrags Hackerangriffe auf die privaten Webseiten des betroffenen Familienmitglieds. Mit dieser Aktion wollte man das Familienmitglied dazu bringen die laufende Anzeige gegen die Beschuldigte zurückzunehmen den Anschluss so zu belassen wie er war und die Beschuldigte in Ruhe zu lassen, außer wenn es zu einer Zahlungsvereinbarung von monatlich 200 Euro durch die Eltern der Beschuldigten käme.

Betrugsfälle Ebay Kleinanzeigen: Anrufe von betrogene Käufer der Plattform Ebay Kleinanzeigen werden umgeleitet

Das Familienmitglied der Beschuldigten erhielt außerdem Anrufe von betrogenen Käufern der Plattform Ebay Kleinanzeigen, die über eine dort hinterlegte Handynummer der Beschuldigten auf das Handy oder auf dem Festnetztelefon des Familienmitgliedes umgeleitet wurden. Betrogene Käufer bestätigen den Namen der Beschuldigten und wollten sie sprechen, weil sie auf ihre Waren warteten oder ihre Gelder zurückhaben wollten.

Anschluss und Handy des Familienmitglieds wird gekapert

Darüber hinaus wurde versucht das Familienmitglied mit gegenseitigen Anrufen von dessen Handynummer und Festnetzanschluss einzuschüchtern, was dazu führen sollte die Anzeige bzgl. der Telekom zurücknehmen, den Telekomanschluss weiterhin bestehen und die betreffende Person in Ruhe zu lassen, wie in den Nachrichten bereits erklärte wurde.

Berliner Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Nach kurzer Zeit wurde dieser Fall zu den Akten gelegt. Die Staatsanwaltschaft teilte dem Familienmitglied der Beschuldigten in ihrem Schreiben mit, dass das Verfahren wegen eines Verfahrens gegen sie eingestellt wurde, weil es hier nicht mit der bereits bestehenden Freiheitsstrafe ins Gewicht fiel.

Beschuldigte machte weiter wie bisher

Doch auch nach der Einstellung des Verfahrens ging der Spuck weiter, das Familienmitglied der Beschuldigten bekam ein Schreiben von dessen Bank, die ihm mitteilte, dass dessen Kreditkarte wegen einer Nachmeldung zu seiner Person bei der Schufa gesperrt worden ist. Schnell fiel der Verdacht wieder auf den Betrugsfall wegen der Telekom zurück, doch hier ging es später laut der angeforderten Schufa-Auskunft um eine ganz andere Geschichte und zwar um eine offene Forderung bei o2, welche wegen Nichtzahlung bereits an ein Inkassounternehmen gegangen ist. Zudem erfuhr das Familienmitglied während eines weiteren Telefonanruf bei der Bonitätsabteilung der Telekom, dass der unberechtigt abgeschlossene Telekomvertrag weiterhin lief.

Urkundenfälschung: Deutsche Telekom wird an der Nase herumgeführt

Trotz vorliegender Anzeige, Beweise, originaler Unterschrift des Familienmitgliedes, drei gefälschte Schreiben (Anbieterwechsel und zwei Beschwerdeschreiben über die Anschlusssperrung/ Anschlusskündigung der Anschrift in Kreuzberg) mit je unterschiedlicher Unterschrift im Namen des Familienmitgliedes und eine vom ihm persönlich verfasste Beschwerde ließ die Telekom den unberechtigt abgeschlossenen Vertrag weiterlaufen, weil die Beschuldigte ein Schreiben in dessen Namen an die Telekom verfasste, aus dem hervorging dass hier kein Datenmissbrauch vorgelegt haben soll und beide Telekomverträge ihre Richtigkeit gehabt hätten. Laut der Deutschen Telekom wurde die November-Rechnung aus dem Jahr 2020 wurde bezahlt, dafür gab es eine offene Rechnung aus Juli 2021. Die Forderung wollte nun das Bonner Telekommunikationsunternehmen vom Familienmitglied haben, denn laut der Telekom wurde die in Berlin-Kreuzberg lebende Person nur als Rechnungsempfänger angegeben, eins der weiteren vorliegenden Telekom-Schreiben besagte außerdem, dass der Vertragsinhaber hier die Haftung trägt und nicht der Rechnungsempfänger.

Rechtstreit mit der Telekom 

Die Telekom lenkte erst ein nach dem sich die Anwältin des Familienmitglieds meldete und dem Bonner Konzern aufforderte die Vertrag für die Adresse in Kreuzberg zu stornieren.

Fakt ist, dass die Deutsche Telekom sich in diesem Fall hier keine große Mühe gemacht hatte, die Daten bzw. die Unterschriften dieser Person mit der des Betrugsopfers abzugleichen.

Weitere Betrugsfälle wurden bekannt bis ins Jahr 2019

Neben den Warenbetrugsfällen bei der Deutschen Telekom und o2 folgten auch Inkassoschreiben von den Versandhäusern Otto, Bader, Baur und Bon Prix. Hier wurden Bestellungen unter den Namen des Familienmitglieds der beschuldigten Person bestellt und nicht bezahlt. Wie eins der Inkassounternehmen erklärte, lag diesem ein Schreiben über eine Ratenzahlungsvereinbarung vor, in der die Beschuldigte im Namen des Familienmitgliedes mitteilte, dass sie die Rechnungen nicht bezahlen könne und diese in Raten zahlen wollte. Dies ist bislang nicht passiert.

Berliner Polizei bestätigt, dass die Beschuldigte alleine agiert. 

Gegenüber dem Familienmitglied bestätigte die Berliner Polizei schriftlich, dass die Beschuldigte allein agiert und keine Helfer in der Einrichtung der Kreuzberger Anschrift hat, in der sie wohnt.

Anrufe von Käufern der Plattform Ebay Kleinanzeigen wurde weiterhin weitergeleitet 

Erst vor wenigen Tagen im Dezember 2021 also etwa 1 Jahr später erhielt das Familienmitglied der Beschuldigten erneut Anrufe von Käufer der Plattform Ebay Kleinanzeigen. Hierbei ging es um ein Tablet der Marke Samsung, das die beiden Käufer haben wollten. Jedoch erklärten sie dem Familienmitglied, dass es Schwierigkeiten mit der Bezahlung geben würde, weil sie per Zahlungsdienstleister PayPal bezahlen wollten, aber die Beschuldigte wollte diese Bezahlung per Überweisung haben wollte, sodass es nicht mehr möglich gewesen wäre, dass bei Nichterhalt der Ware das Geld nicht zurückgeholt hätte werden können.

Hinweis zum Artikel:
Da Täterschutz über dem Opferschutz steht, dürfen hier aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Namen von Personen genannt werden sowie aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Beweise veröffentlicht werden. Update: Die Ermittlungen sind abgeschlossen. 

Von jimbobb

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